13 Regeln, schwarz auf weiß

Das Redaktionsstatut des 12. ems-Volontärsjahrgangs
Das Redaktionsstatut des 12. ems-Volontärsjahrgangs

„Brandenburg ist mehr als Spargel, Wölfe und Nazis“ – auch diese Erkenntnis halten die aktuellen ems-Volontärinnen und -Volontäre schwarz auf weiß in ihrem Redaktionsstatut fest, unter dem Schlagwort „Keine Stereotype“

Unter dreizehn Oberpunkten hat sich der 12. Volontärsjahrgang feste Regeln für den Zeitraum der Ausbildung gegeben: Die 16 jungen Journalistinnen und Journalisten wollen demzufolge alle Meinungen und Entscheidungskompetenzen respektieren; sie möchten füreinander einstehen; und als Journalisten wollen sie „gegenüber allen gleichermaßen hartnäckig“ bleiben. 

Übergeordnet verpflichtet sich der Jahrgang der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, wie es unter der Überschrift „Unsere Basis“ heißt: „In unserem Handeln werden wir geleitet von den Werten des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.“

Langer Diskussionsprozess

Das Redaktionsstatut haben die 16 Volontärinnen und Volontäre in einem intensiven Diskussionsprozess erarbeitet. Zunächst brainstormten sie allgemein, welche Themen ihnen für das Statut wichtig sind – dann wurden die Details ausgehandelt. Nun stehen die Eckpfeiler ihres Zusammenlebens an der ems fest: sowohl in Bezug auf das Miteinander als Gruppe, als auch, was die redaktionelle Arbeit angeht. 

Ob sich die Ideale der Volontäre bereits an der Realität messen mussten, verraten die Jahrgangssprecher Pune Dja­li­leh­vand und Markus Kowalski im Interview. 

"Es ist nicht egal, wer in unseren Geschichten vorkommt"

Jahrgangssprecher Pune Dja­li­leh­vand und Markus Kowalski
Jahrgangssprecher Pune Dja­li­leh­vand und Markus Kowalski

Welche Regel in eurem Statut liegt euch besonders am Herzen? 

Markus Kowalski: Mir liegt die Diversitätsregel am Herzen, weil ich glaube, dass die Diskussion über Diversität eher neu und in vielen Redaktionen noch nicht ganz angekommen ist. Im Statut steht: „Wir wollen die Vielfalt der Gesellschaft in der Wahl der Protagonist*innen und der Themen abbilden. Wir streben eine diskriminierungsfreie Sprache an.“ Es ist uns also nicht egal, welche Protagonisten in unseren Geschichten vorkommen. Das wollen wir nicht dem Zufall überlassen, sondern versuchen, ein möglichst breites Feld an Protagonisten abzubilden, um damit auch möglichst viele Menschen im Publikum zu erreichen. 

Pune Dja­li­leh­vand: Dieser Punkt berührt auch mich sehr. Natürlich dürfen aber auch Punkte wie Wahrheit und Wahrhaftigkeit nicht in Frage gestellt werden. Unter dem Oberbegriff „Objektivität“ haben wir festgeschrieben, dass wir versuchen wollen, alle Perspektiven abzubilden – und gegenüber allen gleichermaßen hartnäckig zu bleiben. 

Was heißt das: hartnäckig bleiben? 

Pune Dja­li­leh­vand: Wir haben viel über Haltung diskutiert: Auch Journalisten sind Menschen und haben eine Haltung. Wir wollen aber unabhängig von unserer Haltung gegenüber allen Gesprächspartnern gleich kritisch auftreten. 

"Keiner soll sich allein durchboxen"

Wieso ist euer Statut in ein Arbeits- und ein Gruppenstatut unterteilt? 

Pune Dja­li­leh­vand: Mit Blick auf die vielen Gruppenarbeiten an der ems wollten wir ein besonderes Augenmerk auf Themen wie Loyalität und Solidarität legen. „Wir achten aufeinander, helfen einander und stehen füreinander ein“, heißt es im Statut. Das finde ich sehr wichtig, denn im journalistischen Beruf später gibt es viele Einzelkämpfer. Hier im Volontariat wollen wir aber in einem geschützten Raum lernen können. 

Markus Kowalski: Das haben wir schon beim Journalisten-Cup [ein deutschlandweites Fußballturnier der Journalistenschulen, Anm. d. Aut.] gemerkt, dass die ems im Vergleich mit anderen Journalistenschulen etwas Besonderes ist: Uns wurde gesagt, man merkt, dass es bei uns ein krasses Gruppengefühl und eine Solidarität gibt, obwohl wir uns erst seit Kurzem kennen. Ich finde es wichtig, dass es an der ems fair zugeht und alle mitgenommen werden. Keiner soll sich allein durchboxen. 

"Wir sind ein diskussionsfreudiger Jahrgang"

Mussten sich eure Ideale, die ihr in dem Statut formuliert, im Alltag schon beweisen? 

Markus Kowalski: Wir stimmen sehr oft ab. Das haben wir auch im Statut verankert: „Wenn Entscheidungskompetenzen nicht vorher definiert wurden, wird mit einfacher Mehrheit demokratisch abgestimmt.“ 

Pune Dja­li­leh­vand: Wir haben schon gehört, dass wir ein sehr diskussionsfreudiger Jahrgang sind. 

Markus Kowalski: Ich finde das toll. Oft führt es dazu, dass alle Argumente genau auseinander dividiert werden. Trotzdem muss man aber am Ende auch zu einer Entscheidung kommen. Wenn es zum Beispiel um die Bespielung der Social-Media-Kanäle der ems geht, dann hat der Redaktionsdienst den Hut auf – den Dienst übernehmen jede Woche zwei andere Volontäre. Bei größeren Fragen stimmen wir als ganze Gruppe ab, damit sich jeder mitgenommen fühlt. 

Pune Dja­li­leh­vand: Wir loben und kritisieren uns sehr viel. Das ist, glaube ich, aber auch gesund. 

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