ZDF-Journalist und ems-Trainer Dominik Rzepka
ZDF-Journalist und ems-Trainer Dominik Rzepka

ems-babelsberg.de: Rund 30 Millionen Deutsche nutzen Facebook, vor allem bei jüngeren Nutzern sind Instagram-Storys beliebt. Ist Twitter inzwischen das soziale Medium von gestern?

Dominik Rzepka: Überhaupt nicht. Twitter hat nichts von seiner Relevanz verloren. Es mag sein, dass Twitter vor ein paar Jahren noch als aufregender und moderner galt. Aber gerade für politische Journalistinnen und Journalisten ist Twitter nach wie vor ein Muss.

ems-balesberg.de: Warum?

Rzepka: Weil die halbe Bundesregierung auf Twitter ist. Weil Bundestagsabgeordnete Twitter nutzen. Und weil sich hier Meinungsmacher vernetzen. Beim Kanzlerduell im September vergangenen Jahres waren Ministerinnen, Chefredakteure, Fernsehautoren. Und alle haben vor, während und nach der Sendung auf ihr Handy geschaut. Unentwegt. Die haben alle auf Twitter gecheckt, wer was wie einschätzt. Und haben auch selber kommentiert.

Wie Meinungsmacher Meinung machen

ems-babelsberg.de: Schön und gut, wenn sich auf Twitter Chefredakteure mit Ministern austauschen. Aber die breite Masse an Lesern oder Zuschauern nutzt Twitter doch gar nicht. Welchen Zweck soll Twitter dann haben?

Rzepka: Einen riesengroßen. Es stimmt schon: Twitter ersetzt auch in meinem Alltag nicht das persönliche Gespräch mit Verwandten, meiner Friseurin oder dem Wurstverkäufer im Supermarkt. Aber Meinungsmacher sind halt nun mal auf Twitter. Und um die geht's. Wer Meinung beeinflussen will, muss sich hier der Diskussion stellen. Es passiert mir oft, dass ich beim Zeitungslesen denke: Diesen Kommentar hab ich doch gestern schon auf Twitter gelesen...

ems-babelsberg.de: Haben Sie auch schon mal eine Diskussion ausgelöst, die Meinung gemacht hat?

Rzepka: Ich habe einmal Kanzleramtschef Peter Altmaier zu einem etwas unbeholfenen Kommentar über die Flüchtlingskrise verleitet. Er hatte offenbar eine Äußerung des damaligen Finanzministers Wolfgang Schäuble nicht ganz verstanden. Und dann hat er mich öffentlich danach gefragt, das wirkte vielleicht etwas unsouverän. Am nächsten Tag haben alle darüber berichtet: Die Süddeutsche Zeitung, Maybrit Illner und Jan Böhmermann. In den Augen vieler Kommentatoren war Altmaiers Äußerung symptomatisch dafür, wie unkoordiniert die Bundesregierung seinerzeit die Flüchtlingskrise gemanagt hat.

Kampagnen auf Twitter: Wie "Framing" funktioniert

ems-babelsberg.de: Sie nennen ein Beispiel, wo jemand wegen eines Tweets in der Kritik stand. Kann Twitter nur Häme oder gibt es auch Beispiele für konstruktive Diskussionen?

Rzepka: Die gibt es natürlich auch. Ich beobachte, wie Politiker sehr gezielt auf Twitter Meinung machen, einen Spin verfolgen. Wenn es darum geht, einen ganz bestimmten Begriff zu verwenden, der selbst politisch ist. Es ist ein Riesenunterschied, ob man über die Mütterrente twittert - oder ob das Ganze Herdprämie heißt. Diesen Mechanismus nennt man Framing. Und wie das funktioniert, das sollten Politiker und Journalisten gleichermaßen wissen.

ems-babelsberg.de: Sie sind Social Media-Trainer mit Schwerpunkt Twitter. Welchen Tipp geben Sie am häufigsten?

Rzepka: Finde heraus, wer Du bist. Und twittere auch so. Ich finde den Twitter-Account von Martin Schulz zum Beispiel nicht gut. Er lässt einen Social Media-Redakteur für sich twittern und so wirkt das auch. Es hat immer den Duktus von Verlautbarung. Ich will jetzt nicht sagen, dass alle so twittern sollen wie Donald Trump oder Erika Steinbach. Aber bei denen habe ich immer das Gefühl: Die sitzen gerade höchstpersönlich am Handy und regen sich über etwas auf. Das ist schon sehr authentisch.

ems-babelsberg: Und so macht man Meinung?

Rzepka: So bestimmt man das Thema, über das Journalisten berichten. Ich zeige in meinen Trainings die Tweets, die zu Berichterstattung geführt haben. Und Tweets, für die sich keiner interessiert hat. Rausfinden, was Nutzer von einem erwarten - darauf kommt es an. Und das kann man lernen.

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