Brutal. Handwerklich brutal. Das fällt Sebastian Schöbel als erstes ein, wenn er seine Zeit in Brüssel zusammenfassen soll. Was er in seinen zwei Jahren als Korrespondent nicht alles leisten muss. "Eigentlich habe ich jetzt erst richtig verstanden, wie man Radio macht", sagt er. Druck und Arbeitspensum seien schon hoch, wenn man für den gesamten ARD-Hörfunk über die EU berichte. "Manchmal bleiben einem Korrespondenten nur zehn Minuten für eine schnelle Nachricht." Und manchmal mache man auch vier Beiträge zu vier verschiedenen Themen an einem Tag.

Als Korrespondent sei man eher Generalist, nicht so sehr Spezialist. "Man muss das Wichtigste schnell rausfiltern und auch selber verstehen", sagt er.

Die Grundlagen dafür habe er an der ems gelernt. "Wir haben im Volontariat auf die Grundsätze des Journalismus geachtet. Dass man sauber arbeitet. Und versteht, dass Quellen eine Agenda haben." Niemand sage einem etwas, ohne damit etwas bezwecken zu wollen. "Das nicht zu vergessen ist wichtig", sagt Sebastian. 

Das Feldbett für lange Nächte steht

Dass er jetzt seinen Posten an Samuel Jackisch übergibt sei auch eine Auszeichnug für die ems. Er selber habe die Stelle auch schon von ems-Absolventin Bettina Meier übernommen. Zuvor war Leon Stebe Korrespondent in Brüssel. "Der Platz hier ist eigentlich ein ems-Platz. Das ehrt die Schule." Seinem Nachfolger empfiehlt er, alles mitzunehmen. Die Zeit intensiv zu nutzen. Und seinem Umfeld zu sagen, dass er viel arbeiten werde. "Das Feldbett für die langen Nächte steht."

Was sich Samuel vorgenommen hat? Zu vermitteln, was die Entscheidungen in Brüssel mit den Menschen zu tun haben. "Ich möchte gerne mit den ARD-Korrespondenten in Madrid, in Athen oder Nordafrika zusammanarbeiten und zeigen, was die europäische Sparpolitik für Auswirkungen in Athen hat." Einen Erbauftrag habe er darüber hinaus auch schon auf dem Zettel: Podcasten. Er wolle nicht nur klassische Beiträge machen. Sondern auch innovative Formate entwickeln. "Wir müssen unsere Inhalte in attraktive Gefäße stecken", sagt Samuel.

Gutes Deutsch, bloß kein Passiv!

Erfahrung als Korrespondent hat Samuel schon. Vor vier Jahren berichtet er bereits aus Washington. "Studioarbeit macht mir sehr viel Spaß, man hat viele Freiheiten und eine große Geschwindigkeit." Deswegen habe er sich um die Stelle in Brüssel auch bemüht. Zuvor ist Samuel Referent der damaligen rbb-Intendantin Dagmar Reim und ems-Volontär des sechsten Jahrgangs. Hier lernt er vor allem, gut zu texten. Insbesondere an das Seminar "Deutsch für Profis" des Schulleiters denke er oft zurück. 

"So wie jeder Absolvent habe ich einen kleinen Sylvio Dahl im Ohr sitzen, der sagt: Passiv verschleiert den Dääder." Samuel meenzert ein wenig - und das gar nicht mal schlecht. Die Ausbildung an der ems sei sehr vielschichtig. Und manchmal sei sie auf den ersten Blick auch eine Überforderung. "Die ems steckt junge Leute in eine Situation, in der sie denken: Das können wir gar nicht schaffen. Viel zu wenig Zeit für so ein Projekt." Am Ende schaffe man dann aber doch alles. Und das sei ein richtig gutes und ermutigendes Gefühl. "Ich glaube, es steckt System dahinter." Gute Voraussetzungen für zwei intensive Jahre in Brüssel.