Der IJP-Lateinamerika-Jahrgang 2019

Es ist Juli, doch ich stecke mit zehn Grad, Nebelsuppe, Sprühregen und nur zwölf Stunden Tageslicht im Winterblues. Das Wetter, das ich als Stipendiatin des Internationalen Journalistenprogramms (IJP) erlebe, ist gewöhnungsbedürftig. Doch ansonsten ist mein journalistischer Trip nach Peru ein voller Erfolg! 

Zwei Monate lang lebe und arbeite ich auf der anderen Teichseite. Die Idee des Programms ist ein intensiver Austausch mit Journalistinnen und Journalisten aus der Weltregion, in die man ausreist. In meinem Fall habe ich die lateinamerikanischen Kolleginnen und Kollegen in Berlin kennengelernt, bevor ich sie nun in ihrem Heimatland besuche.

Ab nach Lateinamerika

ems-Alumna Jenny Barke am Mikrofon des peruanischen Senders RRP

Gemeinsam hatten wir ein Vorbereitungsseminar – dann haben sie in Redaktionen wie der Deutschen Welle, bei dpa, beim „Tagesspiegel“ und bei der „Welt“ ihr Praktikum absolviert. Einerseits, um den deutschen Medienalltag kennenzulernen, andererseits, um sich als Kurzzeitkorrespondenten für ihre Heimatländer zu versuchen. 

Sobald die Kollegen aus Lateinamerika angereist waren, ging es für uns deutsche Stipendiatinnen und Stipendiaten dann in ihre Länder: In meinem Fall nach Lima, wo mich die IJP-Stipendiatin aus Peru bei ihrem Gastmedium empfängt – RPP, dem größten privaten Radiosender des Landes. 

Neben Radio machen die Kollegen aber auch Fernsehen und haben einen Webauftritt, der ähnlich wie bei vielen deutschen Redaktionen – zum Beispiel rbb|24 – in den vergangenen Jahren schnell gewachsen ist. 

Kurzerhand bin ich „Europa-Korrespondentin“

In der Redaktion von RPP arbeite ich vorwiegend mit Kolleginnen und Kollegen in meinem Alter zusammen – das Medium Internet zieht wohl auch international eher die 20- bis 45-Jährigen an. Anfangs habe ich hier, sozusagen als „Europa-Korrespondentin“, vor der Europawahl eine Analyse über die Allianz der Populisten geschrieben – und das Phänomen, dass die Nationalisten in ihrer Allianz keine gemeinsamen Ziele verfolgen. 

Im Radioprogramm lässt man mich dagegen nicht ans Mikrofon: Mein „r“ bleibt einfach immer noch im deutschen Rachen stecken – den Akzent würde wohl keiner live hören wollen, auch wenn mein Spanisch fließend ist.  Das ist aber auch gar nicht die Idee. 

Hauptsächlich habe ich die Zeit hier dafür genutzt, an meinen eigenen Themen zu arbeiten und Radiofeatures für deutsche Sender (rbb-Inforadio, NDR Info, Deutschlandfunk) zu produzieren. Dabei war es ungeheuer praktisch, dass mir die peruanischen Kollegen schnell mit Kontakten helfen konnten und ich ihre Technik und das Tonstudio nutzen durfte. 

Podcasts kennt hier fast niemand

Die Steinwüste bei Arequipa, einer Stadt im Süden Perus

Für das deutsche Publikum habe ich unter anderem über die Einwanderung von Venezolanern nach Peru berichtet: In nur eineinhalb Jahren sind hier fast 800.000 Menschen angekommen – in einem Land, dass über Jahrzehnte ausblutete, denn zehn Millionen Peruaner leben außerhalb ihrer Heimat. 

Radioreportagen, wie ich sie über die Venezolaner gemacht habe - mit produzierten O-Tönen und viel Liebe zum Detail – kennen meine peruanischen Kollegen übrigens nicht. Denn Radio findet in Peru immer live statt, kaum etwas wird vorproduziert. So war es für die Hörfunkjournalisten in Lima auch interessant, meine Arbeitsweise kennenzulernen. 

Im Folgenden finden Sie einige Radiobeiträge zum Nachhören – und Bilder von den Menschen und Orten, die Jenny Barke besucht hat. 

Feature über Leid der Frauen in Peru

Reportage über geflüchtete Venezolaner