Für Rundfunkanstalten ist es derzeit das zentrale Stichwort: Multimedialität. Sprich, wie schafft es ein Sender, sich so aufzustellen, dass TV, Hörfunk und Online inhaltlich und technisch sinnvoll miteinander vernetzt sind? Und wie sieht ein funktionierender Workflow aus, mit dem Inhalte effektiv  untereinander ausgetauscht werden können? Der rbb geht diese Aufgabe offensiv an, im Bereich Technik seit 2013 mit dem Projekt „Zukunftsfähige Produktion (ZfP)“. Von Beginn an mit dabei ist die ems. Michael Neugebauer begleitet den Prozess und moderiert die Kommunikation zwischen verschiedenen Bereichen. Im Interview spricht er über das Projekt und die Rolle der ems.

Herr Neugebauer, welche Aufgabe hat die ems beim Projekt „Zukunftsfähige Produktion im rbb“ (ZfP)?
Wir helfen zusammen mit der Unternehmensentwicklung dabei, die Kommunikation zwischen einer ganzen Reihe von Sachverständigen innerhalb der Projektgruppe zu strukturieren. Konkret heißt das: Den Diskussionsprozess gestalten, moderieren, Initiativen setzen, nachfragen, Lösungen klar formulieren.

Warum ist eine externe Moderation bei diesem Projekt so wichtig?
Die Geschäftsführung des rbb hat die Notwendigkeit für Veränderungen gesehen, wollte aber nichts von oben nach unten durchdeklinieren. Stattdessen sollten alle Beteiligen aus ihren Alltagserfahrungen berichten und ihre Ideen einbringen können. In Folge dessen entstand zu Beginn eine relativ große Arbeitsgruppe mit 35 Personen aus den Bereichen Hörfunk und Fernsehen. Unsere Aufgabe war es zu überlegen: Wie schaffen wir es, diese vielen Personen auf sinnvolle Weise miteinander ins Gespräch zu bringen und konkrete Ergebnisse zu erreichen? Am Anfang stand schließlich ein zweitägiger Workshop. Das war in der Rückschau eine der beglückendsten Veranstaltungen, die ich je erlebt habe.

In welcher Hinsicht?
Wir hatten uns im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht: Wie setzen wir Themen, ohne etwas vorzugeben, das als einengend empfunden werden könnte? Wie kriegen wir es hin, dass alle offen miteinander reden? Unser Konzept ist wunderbar aufgegangen, weil die Beteiligten sehr schnell gemerkt haben: Dieser Workshop ist ein sehr gutes Forum, um endlich einmal zu sagen, was sie an ihrem Arbeitsplatz seit langer Zeit beschäftigt. Nach zwei Tagen haben wir eine Schlussrunde gemacht, in der wirklich alle extrem zufrieden waren – das habe ich so vorher noch nicht erlebt. Dieser Workshop war dann die Blaupause, um in dieser Form in die einzelnen Bereichen tiefer einzusteigen.

Leute, die früher an Kameras herumgeschraubt haben, müssen heute ganz anders denken und sich mit IT beschäftigen.

Liegt der Fokus der ems immer auf der Gestaltung des Prozesses – oder beraten Sie auch inhaltlich?
In diesem Projekt mischen wir uns anders als bei anderen inhaltlich kaum ein. Unsere Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass die Projektgruppen die Dinge auf den Punkt bringen und aus eigenem Antrieb eine Lösung finden. Es geht darum, dass die Techniker mit ihrem Sachverstand zu Ergebnissen kommen, die sie weiterbringen. Dabei können sie sich ruhig auch mal in Rage reden und aneinander geraten. Manchmal gibt es Konflikte, die eigentlich schon längere Zeit da sind, aber vorher nicht ausgesprochen worden sind. Diese dann engagiert auszutragen, gehört dazu. Oftmals können die Beteiligten anschließend besser als vorher miteinander reden. Wichtig ist, dass die Diskussion konstruktiv ist. Dazu leisten wir mit unserer Moderation einen - wie ich denke guten - Beitrag.

Gibt es denn bei der Kommunikation unter Technikern spezielle Herausforderungen, denen Sie sich dabei stellen müssen?
Ich habe gemerkt, dass Techniker nicht nur für mich als gelernten Journalisten manchmal schwer verständlich reden. Auch untereinander verstehen sie sich nicht immer: Der eine redet quasi ostfriesisch und der andere sächsisch. Wenn eine ein technisches Problem und dessen Lösung auf ostfriesisch dokumentiert, wird der Sachse Probleme haben, das zu verstehen. Dabei quasi den Dolmetscher zu spielen, macht mir riesigen Spaß. Mal abgesehen davon, dass ich dabei selbst noch was lerne.

In welche Richtung bewegt sich das Projekt aktuell?
Wir haben einige Teilschritte bereits abgeschlossen. Momentan arbeiten wir an einem Einzelprojekt mit dem Technischen Programmservice (TPS). Die Herausforderung hier ist die große Veränderung in den Bereichen Audio und Video: Viele der Geräte, bei denen man früher Ton- oder Videoköpfe rein- und rausgeschraubt hat, arbeiten heute digital. Das heißt, Leute, die früher an Kameras herumgeschraubt haben, müssen heute ganz anders denken und sich mit IT beschäftigen. Gleichzeitig geht es um die Fragen: Wer kann mit dem, was er bisher nur im Bereich Audio gemacht hat, möglicherweise auch im Bereich Video helfen - und umgekehrt? Solche Synergien herzustellen, ist die große Aufgabe in diesem Projekt.

 

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Kathrin Bley
Projektassistentin