Laura Kingston

11. Jahrgang

 

Ich bin süchtig. Süchtig nach Neuem. Nicht ganz einfach, in der Kleinstadt Emmerich geboren zu sein, in der seit meiner Geburt (1992) auf den ersten Blick wenig Neues passiert ist. Das, was passiert ist, habe ich alles mitgenommen:  „Neue Rheinpromenade feierlich eröffnet“. Ich war dabei für die Rheinische Post. „Kaninchenzuchtverein hat Tag der offenen Tür“. Abgedeckt. Dann entdeckte ich etwas ganz  Neues: den Ton. Bei Antenne Niedderrhein durfte ich alles machen: Von der ersten Straßenumfrage bis hin zum Beitrag über die befreundete Rockband.

 

Von der lokalen Kneipe zum Wembley Stadium ging es für mich nach der Schule. Ich entschied mich, nach London zu gehen, wo jeden Tag so viel Neues passierte, dass meine Sucht immer gestillt wurde.

 

Der Ernst des Lebens fing für mich in Aachen an, wo ich etwas Neues tat: Communication and Multimediadesign studieren. Die meiste Zeit verbrachte ich aber in einem kleinen verrauchten Raum des höchsten Gebäudes der Stadt, wo sich montags die verklebten Bierflaschen vom Wochenende auf den mit Graffiti besprühten Ikearegalen stapelten – aka Hochschulradio Aachen. Da lernte ich, meine eigene Stimme zu benutzen, interviewte meine Lieblingsbands, berichtete über Veranstaltungen der Stadt und das manchmal bis spät in die Nacht.

 

Meine Sucht nach Neuem zwang mich allerdings kurze Zeit später dazu, in die Medienhauptstadt Hamburg zu ziehen, wo ich neue Medien und ein neues Studium in Ethnologie und Geschiche begann. Dort lerne ich die Medienwelt in ihren aufregenden Kontrasten kennen: Bei GEOlino.de schrieb ich Reportagen und Erklärstücke für Kinder, beim NDR Kultur sprach ich für Hörer*innen zwischen 65 und 100. Bei RTL Nord machte ich Nachrichten über neue Street Art-Größen, bei Spiegel TV half ich bei einer Dokumentatin über Xenophobie. In einer Medienagentur lernte ich Social Media kennen und machen, bei GEO Epoche recherchierte ich historisch. Zwischen Wort, Bild und Ton konnte ich mich bisher nie entscheiden und muss es ja vielleicht auch gar nicht. Im besten Fall kann ich alles verbinden. Deswegen ist die ems wohl die beste Droge für meine Sucht. Ich freue mich auf 20 Monate, in denen mir neue Leute, Themen und Medien begegnen werden.