Jessy Wellmer und die ems-Volontäre
Jessy Wellmer und die ems-Volontäre

Eigentlich ist es Routine an der ems: Morgenrunde, Redaktionssitzung, der Start in den Tag für den elften ems-Jahrgang. Doch wenn Jessy Wellmer kommt, dann ist das doch ein besonderes Highlight. Denn früher war die Topmoderatorin selbst Volontärin an der ems. Sie ist Absolventin des dritten Jahrgangs. Mittlerweile moderiert sie die Sportschau im Ersten – und ab 2018 auch noch das neue ARD-Mittagsmagazin aus Berlin.

Starallüren? Keine Spur. Jessy begrüßt die Volontärinnen und Volontäre mit einem aufmunternden Lachen: "Mir ging das früher auch so. Man sitzt an seiner Nachricht und denkt: Wie schaffen das die anderen nur so schnell?" Das erleichterte Kichern ihres Publikums zeigt, dass sich manche Dinge wohl niemals ändern.

Dann schaut sie den Schulleiter an, der neben ihr sitzt: "Ja, ich hatte auch immer eine kleine aber latente Angst vor Herrn Dahl." Aber die sei immer auch geprägt gewesen von Nähe. Er lächelt munter zurück und sagt: "Ich habe ihr schon früh gesagt, dass sie ins Fernsehen muss. Aus sich rauskommen muss. Aber Frau Wellmer war immer eine ganz Stille – zumindest am Anfang." Jessy nickt. "Stimmt. Ich konnte mir das erst nicht vorstellen. Ich war ja nicht eine von denen, die mit ganz viel Erfahrung kommen." Sie selbst habe ihre ems-Ausbildung mit vergleichsweise wenig journalistischer Vorerfahrung begonnen.

"Gerade die Sportschau bereite ich akribisch vor"

ems trifft ems: Jessy Wellmer

Vor dem Volontariat studiert sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste in Berlin. Danach arbeitet sie in der Sportredaktion des rbb. Von dort geht's ins ZDF Morgenmagazin. Es folgen verschiedene Moderationen im rbb. Mit der Sportschau am Samstag in der ARD gelingt Wellmer im Jahr 2017 dann aber der ganz große Wurf. 

Acht Jahre nach Monica Lierhaus ist endlich wieder eine Frau im Moderatorenteam. Ob sie als weibliche Sportjournalistin oft mit Anfeindungen konfrontiert werde, will eine der Volontärinnen wissen. Wellmer zuckt mit den Schultern. "Im Internet werden bestimmt viele fiese Sachen geschrieben", sagt sie.

"Du bist zu hässlich. Du weißt nichts. Solche Sachen. Aber ich schaue mir das nicht an. Ich versuche, meine Arbeit so ordentlich wie möglich zu machen. Gerade die Sportschau bereite ich akribisch vor." Nach einem ausführlichen Gespräch und dem obligatorischen Foto verabschiedet sich Jessy Wellmer wieder in ihr Moderatorinnenleben. Die Volontärinnen und Volontäre des elften Jahrgangs bleiben inspiriert zurück. Aber natürlich haben auch sie zu tun. Auf dem Lehrplan steht die erste Einheit zur Radioreportage.

Von ems-Volontär Maximilian Horn