Wäre man vor ein paar Jahren in die Zukunft gereist und hätte bei den diesjährigen Auswahltagen Mäuschen gespielt, man hätte so einiges nur schwer glauben können: 36 Kandidatinnen und Kandidaten, weiße Maske im Gesicht, brav mit Abstand und zur Begrüßung höchstens einen halbgaren Fuß-Check. Spätestens bei dem Stäbchen, das allen wie selbstverständlich in die Nase gesteckt wird, wäre die Verwirrung perfekt gewesen. - Ja, so einiges war anders bei den Auswahltagen für den 13. Jahrgang der ems. Sogar das Nachbargebäude, das MIZ Babelsberg, wurde zusätzlich mit Kleinstgrüppchen belegt (Danke!): Corona macht es nötig. 

Doch so ungewohnt die Auswahltage dieses Jahr auch waren, am Ende des letzten Tages hört man vertrauliches Tuscheln vor der electronic media school in Babelsberg. Dann ein lauter Lacher und die anderen Teilnehmer*innen steigen mit ein. Die Stimmung wirkt gelöst. Drei anstrengende Tage voller Tests und Prüfungen gehen zu Ende. Drei Gruppen bearbeiteten je einen Tag lang im homeoffice digital ihre Bewerbungsaufgaben – und waren einen zweiten Tag an der ems. Und der Corona-Test war nur der Anfang.  

Gleich startet der virtuelle Wissenstest

Los ging es am Dienstag. „Ich bin vielleicht genau so aufgeregt wie Sie“, sagt Benjamin Denes, „denn für mich ist es das erste Auswahlverfahren als Schulleiter.“ Seit Anfang April ist er im Amt – und hatte als Teil von #ems2 selbst an dieser Schule volontiert. So weit sind die Kandidat*innen noch nicht, für sie beginnt nun erst das Auswahlverfahren: aufgeteilt in kleinen Gruppen, online und in Präsenz. Jede*r Kandidat hat einen individuellen Ablauf der zwei Bewerbungstage. Möglichst wenig “What the F***-Momente”, wünscht der Schulleiter allen – und betont: “Sie sind uns hier alle willkommen.” 

Die Auswahltage starten für alle mit dem Online-Wissenstest: 100 Fragen an das Allgemeinwissen - in 25 Minuten! Für die einen schließt sich gleich der virtuelle Crossmediatest an. Für die anderen warten Präsenz-Aufgaben.        

Einweisung für den Recherchetest

Auf die Straße gesetzt  

Zum Beispiel der Recherchetest: Hier werden die berühmten Geschichten auf der Straße gesucht. Potsdam hat beides, viele Straßen und umso mehr Geschichten. Bei einigen zittern die Notizzettel noch etwas in den schweißnassen Händen. Aber für Aufregung ist wenig Zeit. Mit ein bisschen emsler- Glück steht am Ende ein Konzept für einen funk-Beitrag. Zusammengeschrieben und recherchiert in nur 100 Minuten.  

Schnell zum Bewerbungsgespräch - unter anderem mit der Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, Eva Flecken, und dem Chefredakteur des rbb, David Biesinger.  

Weiter zur gemeinsamen Redaktionsübung. Eine gemeinsame Sendung muss bestückt werden! Wer glänzt in welcher Rolle: CvD, Reporter, Planerin? Und natürlich die entscheidende Frage: Welches Thema muss unbedingt in die Sendung? Was bewegt Berlin? Worüber spricht Brandenburg?  

Abwarten und Bier trinken  

Ist das geschafft, bleiben am Ende müde Gesichter, durchgeschwitzte T-Shirts und und ein leer gegessenes Buffet. Aufregende Auswahltage gehen zu Ende. Und so ungewohnt sie dieses Jahr auch gewesen sein mögen, umso vertrauter klingen die erleichterten Gespräche am Tagesende. So manch ein/e Bewerber*in bleibt noch im Videocall zum gemeinsamen Gespräch, steigt mit zwei anderen in die S-Bahn oder bleibt doch noch auf ein Bier in Babelsberg. Natürlich im Freien und mit Sicherheitsabstand. 

Nur das ems-Team hat immer noch Arbeit: Wer wird Teil von #ems13? Alle Ergebnisse werden zusammengefügt, es entblättert sich das Gesamtbild...und am 10. Juni wissen dann alle Bescheid. Wir drücken die desinfizierten Daumen. 

(Nils Hagemann, #ems12)