Kristin Joachim (Quelle: rbb)
Kristin Joachim (Quelle: rbb)

Für Kristin Joachim geht es gleich gut los. Es ist einer ihrer ersten Tage im ARD-Hauptstadtstudio. Union und SPD verhandeln über eine mögliche neue Große Koalition. Und die Vorsitzende der Grünen, Simone Peter, schließt eine erneute Kandidatur aus. Für Kristin, die gerade die Leitung des Grünen-Ressorts übernommen hat, heißt das: Schalte für die tagesschau, Beitrag für die tagesthemen. Rotlicht, Millionen Zuschauer, und bitte. Nervosität? Druck? Nein, das nicht. "Ich vergesse im Arbeitswust, wie viele Millionen Menschen zuschauen", sagt sie. "Ich bin total fokussiert und sage, was ich zu sagen habe."

Berlin, Hauptstadtstudio, die ganz große Bühne - so richtig könne einen wahrscheinlich kein Volontariat der Welt auf diese Situation vorbereiten. Und doch habe es während ihrer Ausbildung an der ems immer wieder so ähnliche Momente gegeben. "Ich war während meiner Radiostation beim MDR in Magdeburg und habe dort live die Nachrichten gesprochen", sagt Kristin, Absolventin des fünften ems-Jahrgangs. "Das waren die ersten Schritte, das gibt Selbstbewusstsein - und dann muss man den Weg halt noch weiter gehen."

 

"Natürlich will ich mal etwas ausgraben"

Das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin
Das ARD-Hauptstadtstudio in Berlin

Und Kristin geht ihren Weg weiter. Schon vor ihrem ems-Volontariat arbeitet sie im ARD-Hauptstadtstudio. Als studentische Hilfskraft. Danach ist sie bei ARD Aktuell, macht TV-Beiträge von Parteitagen, investiert in ihre Karriere. Als dann die Stelle in Berlin ausgeschrieben wird, bewirbt sie sich. Und bekommt den Zuschlag. "Ich habe darauf hingearbeitet - und ja, das macht mich auch stolz", sagt sie. "Das steigt mir jetzt bestimmt nicht zu Kopf, aber ein gutes Gefühl ist es schon."

Um sie herum: Gestandene Journalisten. Etwa Arnd Henze, der im vergangenen Jahr Unregelmäßigkeiten bei der Akkreditierung von Journalisten beim G20-Gipfel aufgedeckt hat. "Die Kollegen hier haben alle etwas vorzuweisen", sagt Kristin. Und klar, einen Scoop würde sie auch gerne landen. Mal so richtig etwas ausgraben. Durch Recherche, durch Kontakte. Etwas, das dann auch Konsequenzen habe. "Natürlich wünsche ich mir das."

Lektion aus dem Volontariat: Immer aktiv zuhören

Das Handwerkzeug dazu hat sie an der ems gelernt. Etwa im Interview-Seminar. "Daran denke ich oft zurück", sagt Kristin. "Daran, wie wichtig es ist, aktiv zuzuhören." Und ja, so manche Frage stelle sie auch ein zweites oder drittes Mal. Politikberichterstattung heißt eben auch: Sich nicht abspeisen zu lassen mit Floskeln. Auch eine klare Sprache helfe, manchmal Kompliziertes verständlich auszudrücken. "Deutsch für Journalisten" heißt das Seminar, in dem ems-Volontäre lernen: Make it simple. Kurze, verständliche Sätze. Starke Verben. Kein Passiv. 

Drei Jahre ist Kristin jetzt erst einmal im Hauptstadtstudio. Mindestens. Denn es könnten auch fünf daraus werden. Die Stimmung ist gut im Team. Kollegen tauschen sich aus, geben Informationen aus Hintergrundgesprächen gerne weiter. "Teamarbeit ist immer am besten", sagt Kristin. In diesem Team ist sie auch dank ihres Volontariats angekommen. Und hat sich einiges vorgenommen für die kommenden Jahre: "Der Anspruch an mich selber ist gestiegen, ich will das jetzt schon auch gut machen hier."