Einer von vielen bildstarken Drehorten der Kowalski-Sendung - Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew

Wie entstand die Idee zu dieser besonderen Kowalski-Sendung?

Ich war mit einem Marion-Gräfin-Dönhoff-Stipendium zwei Monate lang in der Ukraine und habe in einer Investigativ-Redaktion gearbeitet. Nachdem ich halbwegs in Kiew angekommen war, bin ich sehr schnell auf tolle Geschichten und bildstarke Orte gestoßen. Mein Equipment hatte ich dabei.
 

Als freier Journalist stellt sich natürlich die Frage, für welches Format ich produziere. Also habe ich bei den Kolleginnen und Kollegen von “Kowalski & Schmidt” angefragt, ob wir die Arbeitsmigration von Ukrainern nach Polen nicht zum Anlass wollen, um in die Ukraine zu schauen. In Polen leben und arbeiten heute bereits über zwei Millionen Ukrainer, während viele Polen ihrerseits nach Deutschland oder Westeuropa abgewandert sind. Gemeinsam mit Redakteurin Antonia Schmidt habe ich ein Konzept für die Sendung entwickelt, das wir dank der Unterstützung von Ilona Marenbach und Stephan Abarbanell dann auch genauso umsetzen konnten. 

Der Umsiedler Andrej Vasilenko vor seinem Ladengeschäft in einer Kiewer Unterführung

Wie war das, als Videojournalist in der Ukraine zu arbeiten?

Großartig! Die Ukraine ist für mich spätestens seit der Maidan-Revolution eines der spannendsten Länder Osteuropas. Vieles ist im Aufbruch und im Umbruch, das merkt man, wenn man durch die Straßen von Kiew läuft oder auch in anderen Städten wie Lemberg oder Odessa unterwegs ist. Und in einem Land ist es als Journalist natürlich dann extrem spannend zu arbeiten, wenn man die Sprache kann. Zum Glück spreche ich fließend Russisch und Polnisch und verstehe auch Ukrainisch gut.

 

Aber es ist sicher auch kompliziert: Du bist allein im Ausland und hast keine Produktionsabteilung im Hintergrund. Wie geht das?

Videojournalist zu sein bedeutet immer: Seine Geschichte zu kennen, den Dreh gut zu planen und trotzdem immer flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Dafür ist es erstmal egal, ob ich in Kiew oder Küstrin arbeite. Am wichtigsten sind das technische Handwerk und das journalistische und dramaturgische Denken, also das Storytelling. Seit meinem Volontariat an der electronic media school (ems) habe ich das für viele Redaktionen im Haus erprobt und meine Technik dabei immer weiter verfeinert.

Was in der Ukraine natürlich hinzu kommt, ist: Man muss die Produktion selbst organisieren. Wie komme ich zum Ort der Geschichte? Ich habe mich da zum Beispiel mehrfach für eine Mitfahrgelegenheit und gegen einen Mietwagen entschieden. Lieber mit ortskundigen Ukrainern mitfahren, als sich selbst auf fremden Straßen zu stressen. Innerhalb von Städten kann man alles mit Taxi-Apps machen. Das geht vollkommen problemlos und eine Fahrt kostet nicht viel. Voraussetzung ist aber: Man muss die Sprache können. Ohne das geht’s nicht.

VJ-Dreh mit dem Arbeitsvermittler Andrij Marysiuk

Was hattest Du an Equipment mit dabei?

Ich war unterwegs mit meiner Kamera, einer Funkstrecke, zwei Objektiven und einem kleinen Kopflicht. Das passt alles in einen mittelgroßen Kamerarucksack. Außerdem hatte ich einen leistungsstarken Laptop und eine große Festplatte dabei, um täglich das Material zu sichern. Für einen Dreh habe ich mir von Freunden ein Stativ ausgeliehen. Der Rest war gute Planung und improvisieren. Geschnitten haben wir alle Reportagen übrigens hier im Haus in Potsdam mit dem Kollegen Christoph Wende.

Konzert der Elektropop-Band ONUKA in der Oper von Odessa

Welche Geschichten habt ihr in der Sendung?

Wir haben einen jungen Arbeitsvermittler portraitiert, der Arbeitskräfte in polnische Unternehmen vermittelt und auf Youtube ziemlich populär ist. In Kiew habe ich zwei Umsiedler aus Luhansk getroffen, die sich wegen des Kriegs im Osten des Landes ein neues Leben aufbauen mussten. Immerhin gibt es in der Ukraine derzeit noch 1,2 Mio. Flüchtlinge im eigenen Land. Außerdem sind wir einem Journalisten durch Lemberg gefolgt, wo seit Jahrhunderten eine polnische Minderheit lebt, die aber immer kleiner wird. Und ich konnte in Odessa noch eine großartige ukrainische Elektroband treffen, die durch den Eurovision Song Contest bekannt geworden ist – ONUKA.

Zusätzlich war in dieser Sendung unser Moderator Martin Adam (ebenfalls ems-Absolvent) in Słubice, unter anderem bei der orthodoxen Weihnachts- messe der ukrainischen Minderheit. Er hat mit Ukrainern und einem Soziologen darüber gesprochen, wie die Zuwanderung Polen verändert und so auch Auswirkungen auf Deutschland hat.

 

Die rbb-Sendung Kowalski & Schmidt beschäftigt sich mit dem Alltag in Deutschland und Polen. So unterschiedlich die Situation auf manchen Gebieten ist, so ähnlich können die Probleme sein, die sich nach der politischen Wende aus dem realsozialistischen Erbe ergeben haben. Daneben geht es auch um das Lebensgefühl in Deutschland und Polen und um Trends. Das deutsch-polnische Magazin gibt es jeden zweiten Samstag, um 17.25 Uhr, im rbb Fernsehen.